Ich trage einen Namen, der in der Schweiz ziemlich verbreitet ist, kein besonders ausgefallener Name, nur enthält er ein "von". So wie in "von Arx" zum Beispiel oder in "von Wartburg". Ein kommuner Schweizer Name. Ich hatte nie besondere Probleme damit, bis ich nach Deutschland kam.
Hier hatten plötzlich sehr viele Leute das Gefühl, ich sei wohl adlig.
In der Schweiz war das gar nie ein Thema, die Schweiz ist zutiefst republikanisch, der Adel wurde schon vor Urzeiten abgeschafft. Es ist zwar möglich, dass mein Name vor Jahrhunderten mal adlig war, aber ich habe darüber nie groß nachgedacht. Ich heiße halt einfach so.
In Deutschland ist das Verhältnis zum Adel etwas komplizierter.
Den Adel gibt es hier nämlich sehr wohl noch - nicht rechtlich, aber als Stand, als Dünkel, als Gefühl. Der Adel regierte dieses Land bis zum ersten Weltkrieg, er dominierte im zweiten Weltkrieg die Generalität, er führte 1944 das gescheiterte Attentat auf Hitler aus und heute verfügt er immer noch über viele Besitztümer (außer jenen in Schlesien und Ostpreußen natürlich), auch über Einfluss.
Das kann für einen Schweizer, dem jegliche royalistische Nostalgie fern liegt, zu seltsamen Problemen führen.
Es begann damit, dass ich Briefe erhielt, in denen ich als "Herr Arx" angeredet wurde. Es setzte sich darin fort, dass Leute mich als "Herr Arx" ansprachen und dass man mir schließlich sogar bei der Arbeit eine E-Mail-Adresse gab, die lautete "arx@firma.de".
Das "von" gilt hier nicht als Bestandteil des Namens, sondern gewissermaßen als Adelsprädikat, das man einfach weglassen kann. Manche lassen es sogar absichtlich weg, um zu sagen: Bild dir bloß nichts ein. Und manche Adlige lassen es demonstrativ weg, um zu zeigen, dass sie verbürgerlicht sind. Die frühere Grünen-Politikerin namens Jutta von Ditfurth zum Beispiel nennt sich Jutta Ditfurth - das hat eine Symbolkraft, die mir als Schweizer nicht so ganz klar war.
Wenn ich den Leuten sagte, dass ich doch aber von Arx hieße, erntete ich seltsame Blicke: Ich machte mich mit dieser Forderung des Adelsdünkels verdächtig.
In der Schweiz ist mein Name ein ganz normaler Name, niemand käme auf die Idee ihn einfach um die Hälfte zu kürzen. Hier steht mein Name für den dünkelhaften Adligen und wer auf dem "von" besteht, beweist damit nur, dass er Wert auf seinen Adelsstatus legt.
Dabei bin ich aber doch gar kein Adliger.
Ich will nur meinen Namen behalten.