Donnerstag, Mai 11, 2006

In eigener Sache

Liebe Leserinnen und Leser,
dieser Blog ruht vorerst. Ich schließe nicht aus, dass ich ihn eines Tages wiederbelebe, denn es hat mir viel Spaß gemacht ihn zu betreiben – aber mir fehlt leider im Moment und voraussichtlich auch in naher Zukunft die Zeit, ihn regelmäßig zu aktualisieren – und alles andere macht in der Blogosphäre keinen Sinn. Ich danke allen ganz herzlich, die hier regelmäßig gelesen und kommentiert haben – und vielleicht: auf Wiederlesen.
Euer Geissenpeter

Mittwoch, April 12, 2006

Deutschland

Ohne Worte

Montag, März 20, 2006

Hopp Schwiiz!


Dieser freundliche junge Mann ist der Bürgermeister einer Gemeinde namens Bad Bertrich. Das liegt in Rheinland-Pfalz. Der Mann heißt Günter Eichberg, und er war früher einmal Präsident eines Fußballclubs namens Schalke 04. Als Bürgermeister hat er es jetzt geschafft, die Schweizer Nationalmannschaft während der WM in sein Dorf zu holen. Sie nächtigt im "Kurhotel Fürstenhof", einer Fünfsterne-Wellness-Absteige. Deshalb die sympathische Begrüßungsaktion von Günter Eichberg, die man auf dem Zeigebild oben sehen kann.

Wir stellen uns jetzt natürlich die Frage, warum es die Schweizer Nationalmannschaft ausgerechnet nach Bad Bertrich zieht, also in eine Ortschaft, die mit 976 Einwohnern und 8,6 Quadratkilometern Fläche ab sofort der kleinste Schweizer Kanton ist.

Die offizielle Antwort ist: Die Schweizer waren so begeistern von der zentralen Lage. Die inoffizielle Antwort: Günter Eichberg, der schillernde Ex-Präsident von Schalke, der den Club vom Tabellenende der zweiten Liga wieder in die Bundesliga führte, der Millionen aus seiner privaten Kasse in den Club pumpte, der die Beerdigungsfeierlichkeiten für die Fußball-Legende Ernst Kuzorra wiederholen ließ, weil er zu spät gekommen war, der am Ende wegen dubioser Geschäfte ging und sich nach Florida absetzte - dieser Günter Eichberg kennt Köbi Kuhn, den Trainer der Schweizer "Nati". So lief das also: Vitamin B.

Aber macht doch nichts, so sympathisch wie dieser Mann da oben aussieht, und getragen von der Begeisterung der lokalen Bevölkerung, kann unsere Mannschaft einfach nur Weltmeister werden.

Samstag, März 18, 2006

Hail to the Queen

Ich möchte heute über die Queen Mary 2 schreiben. Die Queen Mary 2 ist ein Schiff, das größte Passagierschiff der Welt. Manchmal kommt die Queen Mary nach Hamburg. Sie hat dann greise amerikanische Millionäre an Bord, die aus dem Whirlpool winken.

Immer wenn die Queen Mary 2 nach Hamburg kommt, dreht der Hamburger durch. Er steht dann schon morgens um fünf auf, und eilt zu Zehntausenden an die Elbe, um die Queen Mary 2 winkend und schreiend zu begrüßen.



Die Zeitung schreibt dann immer auf ihrer Titelseite, dass die Queen Mary 2 jetzt da sei. Und druckt Bilder von jubelnden Hamburgern ab. Selbst auf Ämtern fragen einen ansonsten zurückhaltende Hanseatinnen mit leuchtenden Augen: "Warnse gestern auch am Hafen?"

Wenn die Queen Mary 2 nach Hamburg kommt, denken sich die Leute, dann muss Hamburg ja irgendwie auch eine Weltstadt sein.

Hamburg Tourismus schreibt auf seiner Webseite:

"2006 wird das Queen Mary 2 Erlebnisjahr in Hamburg! Insgesamt 4 Mal wird die Königin der Meere die Hansestadt beehren. Neben den regulären Rundfahrt - Stopps im Juli und August wird die QM2 im Mai und November im Dock Elbe 17 liegen, wo eine defekte Antriebseinheit aus- bzw. wieder eingebaut wird. Hier die voraussichtlichen Termine: 05.05.2006 - 11.05.2006 Dock Elbe 17 - Ausbau der beschädigten Antriebseinheit 16.07.2006 Stopp Hamburg Cruise Center 25.08.2006 Stopp Hamburg Cruise Center 12.11.2006 - 17.11.2006 Dock Elbe 17 - Einbau der Antriebseinheit"

Ich kann es gar nicht erwarten, diese neue Antriebseinheit zu sehen.

Dienstag, März 14, 2006

Müllstreik






So sah es hier aus, als die Müllmänner gegen die menschenunwürdige 40-Stunden-Woche kämpften.

Sonntag, März 12, 2006

Schnee = Chaos

In Hamburg ist soviel Schnee gefallen wie noch nie: ein halber Meter. Das sieht schön aus, aber die Hamburger sind nun mal nicht besonders erprobt in Sachen Schnee und Winterreifen haben sie auch keine. Und dann streikt auch noch der Winterdienst, weil er sich gegen die menschenunwürdige 40-Stunden-Woche wehrt (Erinnerung: In der Schweiz gilt die 42-Stunden-Woche).

Resultat: Aller Verkehr bricht zusammen, die Menschen stolpern und schlittern über den glatten Boden. Kurz: Es ist alles wunderbar chaotisch.

Auch die Hamburger Verbrecher hatten ihre liebe Mühe mit dem Schnee:

Beamte des Polizeikommissariates 47 haben zwei 30 und 33 Jahre
alte Männer sowie einen 18-jährigen Heranwachsenden vorläufig
festgenommen, die verdächtigt werden, einen Kfz-Aufrbuch begangen zu
haben. (...) Zeugen verständigten die Polizei, als sie beobachteten, dass die
Tatverdächtigen an geparkten Fahrzeugen hantierten.
Beim Eintreffen der Einsatzkräfte lief das Trio sofort weg.(...) Auf Grund der eindeutigen Spuren im Schnee konnten die
Beamten die Spur der Flüchtigen verfolgen und die Männer wenig später
stellen.(Quelle: Polizei)


Schön ist auch das:

HSV - Lautern findet statt

Feuerwehr rettet Austragung der Bundesliga-Partie =

Hamburg (sid) Die so genannte Hochrettungstruppe der Hamburger Feuerwehr hat die Spielabsage der Bundesligapartie zwischen dem Hamburger SV und dem 1. FC Kaiserslautern mit einer wohl einmaligen Aktion verhindert. Die Spezialkräfte haben im Eilverfahren das Stadiondach von Eis und Schnee befreit und damit die Sicherheit der Zuschauer gewährleistet. Schiedsrichter Franz-Xaver Wack (Biberbach) stimmte einem späteren Anpfiff zu. Der Spielbeginn wurde um eine Stunde auf 18.30 Uhr verschoben. Die Hamburger hatten im Vorfeld der Partie versucht, den Schnee mit Hubschraubern vom Dach zu wehen, hatten damit aber offenbar nicht den gewünschten Erfolg. Der HSV hatte die Tore der AOL-Arena für die rund 45.000 Zuschauer aus Sicherheitsgründen zunächst geschlossen.


Mit einem Hubschrauber Sulzschnee vom Dach wehen? Liebe Hamburger, was habt ihr nur für Ideen!

Freitag, Februar 24, 2006

Postkartenansicht


Schön, oder?
Übrigens weiß jeder Hamburger, dass Hamburg mehr Brücken hat als Venedig.

Donnerstag, Februar 23, 2006

Das deutsche Eiscafé (II)


...heißt immer "Eiscafé Venezia"!

Mittwoch, Februar 22, 2006

Neulich in der U-Bahn







Dienstag, Februar 21, 2006

Aufschnitt?


Holz im Zuschnitt? Also drin? Im Zuschnitt? Ist das so etwas wie Aufschnitt? Aber mit Holz? Klingt nicht wirklich lecker.
Wahrscheinlich meinen die guten Leute einfach nur: zugeschnittenes Holz.

Montag, Februar 20, 2006

Namenspech

Sonntag, Februar 19, 2006

Historisches

Wieder mal etwas, das hier noch so rumsteht.

Nachtrag: Hier finden sich interessante Hintergrundinformationen zu diesem Denkmal.

Aus meiner Statistik

In letzter Zeit landen auffällig viele Leute auf meiner Seite, die bei Google "Tooske Ragas nackt" eingegeben haben.
Warum wollt ihr die alle nackt sehen, Leute?
Ich kann euch leider nicht helfen. Schreibt mal an RTL.

Neulich bei SPAR


Das möchte ich lieber nicht essen.

Ausverkauf


Abkürzungen sind was Feines. Diese hier steht für "Winterschlussverkauf". Hier wird nicht der Winter verkauft, und nachher ist auch nicht für immer Schluss mit Einkaufen, nein, hier findet einfach nur das statt, was man in der Schweiz "Ausverkauf" nennt.
Immer öfter heißt es übrigens in beiden Ländern "SALE".

Mittwoch, Februar 15, 2006

Germanizismen

Von der netten IT-Frau an meinem Arbeitsplatz erhielt ich heute folgende Mail:

"Gute Nachricht: Für Programm X wurden Sie eingerichtet."

Hier läuft es also so, dass nicht das Programm für einen eingerichtet wird, sondern umgekehrt.

Dienstag, Februar 14, 2006

Adliges

Ich trage einen Namen, der in der Schweiz ziemlich verbreitet ist, kein besonders ausgefallener Name, nur enthält er ein "von". So wie in "von Arx" zum Beispiel oder in "von Wartburg". Ein kommuner Schweizer Name. Ich hatte nie besondere Probleme damit, bis ich nach Deutschland kam.

Hier hatten plötzlich sehr viele Leute das Gefühl, ich sei wohl adlig.

In der Schweiz war das gar nie ein Thema, die Schweiz ist zutiefst republikanisch, der Adel wurde schon vor Urzeiten abgeschafft. Es ist zwar möglich, dass mein Name vor Jahrhunderten mal adlig war, aber ich habe darüber nie groß nachgedacht. Ich heiße halt einfach so.

In Deutschland ist das Verhältnis zum Adel etwas komplizierter.

Den Adel gibt es hier nämlich sehr wohl noch - nicht rechtlich, aber als Stand, als Dünkel, als Gefühl. Der Adel regierte dieses Land bis zum ersten Weltkrieg, er dominierte im zweiten Weltkrieg die Generalität, er führte 1944 das gescheiterte Attentat auf Hitler aus und heute verfügt er immer noch über viele Besitztümer (außer jenen in Schlesien und Ostpreußen natürlich), auch über Einfluss.

Das kann für einen Schweizer, dem jegliche royalistische Nostalgie fern liegt, zu seltsamen Problemen führen.

Es begann damit, dass ich Briefe erhielt, in denen ich als "Herr Arx" angeredet wurde. Es setzte sich darin fort, dass Leute mich als "Herr Arx" ansprachen und dass man mir schließlich sogar bei der Arbeit eine E-Mail-Adresse gab, die lautete "arx@firma.de".

Das "von" gilt hier nicht als Bestandteil des Namens, sondern gewissermaßen als Adelsprädikat, das man einfach weglassen kann. Manche lassen es sogar absichtlich weg, um zu sagen: Bild dir bloß nichts ein. Und manche Adlige lassen es demonstrativ weg, um zu zeigen, dass sie verbürgerlicht sind. Die frühere Grünen-Politikerin namens Jutta von Ditfurth zum Beispiel nennt sich Jutta Ditfurth - das hat eine Symbolkraft, die mir als Schweizer nicht so ganz klar war.

Wenn ich den Leuten sagte, dass ich doch aber von Arx hieße, erntete ich seltsame Blicke: Ich machte mich mit dieser Forderung des Adelsdünkels verdächtig.

In der Schweiz ist mein Name ein ganz normaler Name, niemand käme auf die Idee ihn einfach um die Hälfte zu kürzen. Hier steht mein Name für den dünkelhaften Adligen und wer auf dem "von" besteht, beweist damit nur, dass er Wert auf seinen Adelsstatus legt.

Dabei bin ich aber doch gar kein Adliger.

Ich will nur meinen Namen behalten.

Wenn die Heimat ruft

Soeben gefunden:

Sonntag, Februar 12, 2006

Einkaufen als Erlebnis


Neulich beim Discounter Plus.
Erinnert mich an diesen Werbespot der Migros.

Montag, Februar 06, 2006

Lecker Eis

Es ist zwar etwas kalt für ein Glacé (also: Eis), aber in letzter Zeit ist mir mehrfach dieses beliebte Dekorationselement aufgefallen. Eiscafés werben damit um Kundschaft. Ich vermute, dass die Größe des Eises die Großartigkeit des zu erwartenden Geschmackserlebnisses andeuten soll.

Darwins Alptraum: Die Wohnungssuche

Eine Herausforderung ist in Deutschland die Wohnungssuche. Nicht nur wegen der räuberischen Kaste der Makler, die den Wohnungsmarkt monopolisiert hat und jedem, der eine Wohnung mieten will, erstmal zwei "Nettokaltmieten plus Mehrwertsteuer" als Vermittlungsgebühr ("Courtage") aus der Tasche zieht, bevor man den Vertrag unterschreibt. Makler kassieren also locker mal 1500 Euro, obwohl man sie nicht gerufen hat und obwohl sie im Grunde für den Vermieter arbeiten und obwohl sie für diesen Betrag nicht viel mehr machen müssen, als den Interessierten die Wohnung zu zeigen und dann einen Mieter auszuwählen. Das Satiremagazin Titanic ließ deshalb solche T-Shirts drucken:


Das ist noch nicht alles.

Es ist zum Beispiel sehr leicht, Wohnungen in charmanten Fünfziger-Jahre-Klötzen zu finden. Altbauwohnungen hingegen sind rar, was an den englischen Bombern liegt, die Hamburg im Sommer 1943 in der "Aktion Gomorrha" ziemlich genau zur Hälfte in Trümmer gelegt haben. Die Viertel, in denen man noch sieht, was für eine wunderschöne Stadt Hamburg einst gewesen sein muss, sind hart umkämpft. Man muss sich an der Wohnungsbesichtigung charmant in den Vordergrund spielen und den Makler offensiv einschleimen. Dafür hassen einen zwar die anderen, aber man kriegt ja dann die Wohnung.

Interessant auch, dass viele Wohnungen, auch teure, gar keine Küche haben, bzw. nur eine "Spüle", was dazu führt, dass man, wenn man einzieht, Herd, Kühlschrank und Küchenschränke im Grunde ebenso kaufen muss wie die Waschmaschine - denn die Institution "Waschküche" ist hier mehr oder weniger unbekannt. Wenn man dann auszieht, muss man entweder alles in die nächste Wohnung mitschleppen - oder, wenn die Sachen noch einigermaßen neu sind, "Abstand" verlangen.

Wer "Abstand" verlangt, will nicht etwadie gebührende Distanz, sondern er will Geld, am liebsten ganz viel. Zum Beispiel 700 Euro für seine lausige Kücheneinrichtung. Wenn man die nicht zahlt, kriegt die Wohnung halt ein anderer. Weil Vermieter die Wohnungen sehr ungern renovieren und auch häufig im ungestrichenen und ungeputzten Zustand übergeben, stecken manche Leute sehr viel Geld in eine Komplettrenovierung ihrer Wohnung. Wenn sie dann ausziehen, verlangen sie in der Wohnungsanzeige, wie neulich gesehen "Abstand: 8000 Euro VB". VB bedeutet, dass man immerhin noch verhandeln kann.

Es ist also kein Wunder, dass so viele Leute, die ich kenne, in ihrer Wohnung bleiben, obwohl sie unzufrieden damit sind. "Wohnungssuche ist so schlimm", sagen sie, "den Stress ist es mir nicht wert."

Montag, Januar 09, 2006

Heimaturlaub (VI)


Es gibt nichts Schweizerisches, als diese gebogenen Metalldinger mit Aromat, Knorrwürze, Salz, Pfeffer und Zahnstochern, die im Restaurant auf den Tischen stehen.

Heimaturlaub (V)



Es gab viele Ostdeutsche in Zermatt, und sie hatten alle Videokameras dabei.

Heimaturlaub (IV)

Wir gingen nachts durch den Walliser Wintersportort Grächen, es war minus 16 Grad kalt, da sahen wir auf dem Balkon eines Chalets einen jungen Mann. Er war nackt und grinste, obwohl er vermutlich ungeheuer fror. Ich fragte ihn: "Was machst du denn da oben?" Er sagte: "Ich habe beim Fondue mein Brotstückchen verloren".



Alles, was bei Asterix steht, stimmt!

Montag, Januar 02, 2006

Böllerschlacht (II)

Leider kann ich nicht von den Neujahrsfeierlichkeiten in Deutschland berichten, da ich mich ja aus Angst vor Böllern in die Schweizer Alpen verzogen habe. Aber soeben habe ich diesen Korrespondentenbericht erhalten - von einem Exilschweizer, der in München lebt:
Ich kann das mit den Böllern nur bestätigen, ich habe noch nie so was erlebt. Mutig stieg ich kurz vor 12 auf den Olympiaberg, bewaffnet nur mit einer leckeren Flasche Schampus und einem Glas. Oben angekommen erlebte ich mein Verdun. Überall pfiffen Raketen und sonstige Geschosse um meine Ohren und explodierten munter rund herum. Es war ein einziges Inferno, die Leute schien das aber nicht zu stören, gnz im Gegenteil, es legte sich ein irres Grinsen über ihre Gesichter während sie mal wieder eine Rakete mitten in die Leute schossen. Ich glaube darin manifestiert sich die kollektive Kriegserinnerung der Deutschen.

Da sage ich nur: Prosit Neujahr!

Samstag, Dezember 31, 2005

Böllerschlacht

Einer der Gründe, weshalb ich dieses Jahr Silvester nicht in Deutschland feiere, ist ein Phänomen, das "Böller" heisst.

Böller sind laut krachende Feuerwerkskörper, die am Silvesterabend in die Menge geworfen werden, und zwar insbesondere von Jugendlichen. Wenn man also zum Beispiel an Silvester in Hamburg über die Reeperbahn geht, ist man in Lebensgefahr.

Neulich war am Fernsehen ein Beitrag zu sehen über "Polen-Böller", die zwar illegal sind, aber leicht über die Grenze geschmuggelt werden können. Diese "Polen-Böller" können einem Menschen ohne weiteres Arme und Beine abreissen.

Mein Freund M. sagt: "Böllerschlachten sind die letzten Überreste des Krieges."

Und dann berichtet er davon, wie er selbst als Teenager den Rucksack mit billigen Böllern vollpackte, und sich aufmachte ins Stadtzentrum, auf in die Schlacht.

Mittwoch, Dezember 28, 2005

Heimaturlaub (III)

"Darf ich Sie bedienen?" fragte gestern die Bedienung ("Serviertochter") in einem Café in der Mittellandmetropole Olten. Was für eine Einleitung!

Montag, Dezember 26, 2005

Heimaturlaub (II)


11 Franken (7 Euro) habe ich für dieses leckere Panino in der Bar des Zürcher Programmkinos RiffRaff bezahlt.

Heimaturlaub (I)

Ich befinde mich zur Zeit in der Schweiz und erlebe seit langer Zeit wieder einmal meine Heimat.

Weil ich in der Schweiz bin, muss ich Schweizer Fernsehen schauen. Wenn ich Schweizer Fernsehen schaue, schäme ich mich immer, dass ich Schweizer bin.

Besonders schlimm war es heute abend.

Das Schweizer Fernsehen folterte mich heute um 18.15 Uhr mit einem Liederabend von Peter Reber und seiner Tochter Nina.



Peter Reber ist ein bärtiger Sänger, der eine Gitarre hat und ein Segelboot. Er lächelt immer künstlich und singt Lieder auf Schweizerdeutsch, die so aufdringlich harmlos sind, dass man nicht anders kann als schreckliche Abgründe dahinter zu vermuten. Sie heißen zum Beispiel "Jede brucht si Insle" oder "s'Hippiegschpängschtli".



Peter Reber ist sehr schlimm. Gegen Peter Reber müsste in der Bundesverfassung ein Verbot ausgesprochen werden, wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Stattdessen darf er im Schweizer Fernsehen auftreten. Stattdessen darf er sogar seine arme zahnspangentragende Teenager-Tochter vor die Kameras zerren.

In anderen Ländern enden Leute wie Peter Reber als Volksschullehrer. In der Schweiz werden sie berühmt und landen im Fernsehen.




In den Siebzigern gehörte Peter Reber zu einem Trio namens "Peter, Sue und Marc".


Und weil Schlechtes nie vergeht, kam neulich die Meldung:
Peter, Sue und Marc planen eine Reunion.

Da bleibe ich lieber im Ausland.

Samstag, Dezember 24, 2005

Angriff der Remoulade-Fans

Isst man in Deutschland Remoulade zu Weihnachten?

Mein Blog wird von Remoulade-Fans gestürmt!

Sitemeter zeigt: Zur Zeit ist fast jeder Zweite, der auf meiner Seite landet, jemand, der bei Google als Suchwort "Remoulade" eingegeben hat.

Dabei hasse ich doch Remoulade! Besonders im Tomaten-Mozzarella-Brötchen.

Weihnachtsgrüße aus der Schweiz

Ich bin jetzt in der Schweiz.

Hier bin ich reingekommen:

Wenn man Schweizer Zollbeamten den Schweizer Pass zeigt und "Grüezi" sagt, lächeln sie oft lieb und milde zugleich. Das Lächeln sagt: "Willkommen zu Hause, verlorener Sohn. Du warst ein paar Wochen oder Jahre in der Fremde, aber jetzt kehrst du zurück, dahin, wo du gehörst, in den Schoß deines Landes. Willkommen!" Entsprechend grimmig schauen die Beamten dann, wenn jemand einen Pass aus Uganda zeigt.

In der Schweiz liegt Schnee:


In der Schweiz werden sehr viele Bücher über die Schweiz geschrieben und irgendwie haben alle Grafiker die gleiche Layout-Idee:


Das war das Erste, was ich nach dem Reinkommen sah, es hat mich beruhigt:

Freitag, Dezember 23, 2005

Volksküche heißt jetzt IKEA

Als ich neulich bei IKEA war, fiel mir noch ein Unterschied zur Schweiz auf: Das IKEA-Restaurant war riesig und es war voller Leute und meine Freunde schwärmten schon vor dem Besuch, dass wir bei Ikea dann ja frühstücken könnten. Die IKEA-Restaurants in der Schweiz waren dagegen immer ziemlich klein, und Leute, die da richtig aßen, gab es auch kaum. Entsprechend beeindruckt war ich, als ich das gigantische Restaurant sah, voller Leute, die Meatballs oder Kohlwurst mit Grünkohl aßen.

Ich habe mir dabei weiter nichts gedacht, bis ich heute bei SPIEGEL ONLINE auf diesen Artikel stieß:
Mit seinen Billig-Restaurants will der Möbelriese Ikea Kunden locken. Doch immer mehr Menschen nutzen die Läden als Sozialstation und kostenlosen Kinderhort.
...steht da, und:
Seit Jahren schon frühstückt der 67-jährige Rentner im dortigen Restaurant. Das Angebot ist unübertroffen: Für 1,50 Euro bekommt er zwei Brötchen, Butter, Wurst und Käse, Marmelade und sogar Räucherlachs, dazu Kaffee satt. "Die Brötchen kann man mitnehmen und nach drei Tagen noch gut mit einer Dose Thunfisch essen", sagt der frühere Justizbeamte. "Schmeckt prima."
Und schließlich:
Mit ihren 37 Restaurants haben sich die Schweden in der Liste der umsatzstärksten Gastronomen Deutschlands 2004 auf den elften Platz vorgearbeitet, weit vor Tchibo und den Bäckerriesen Kamps mit seinen rund tausend Filialen. Jeden zwanzigsten Euro setzt der Konzern hierzulande mit Billig-Menüs um - 141 Millionen Euro im vergangenen Geschäftsjahr.

Neulich am Hafen







Donnerstag, Dezember 22, 2005

Aus meiner Statistik

Was suchen eigentlich die Leute, die über Google auf meinen Blog stoßen? Ich habe einen Blick auf die Statistik geworfen. Hier die im Moment beliebtesten Suchbegriffe:

1. "Hamburg schönste Stadt Deutschlands" oder "Hamburg schönste Stadt der Welt".

2. Remoulade

3. "Käse-Tussi" oder "Tooske Ragas"

4. "Was isst man zu Raclette" oder "Raclette Beilagen".

Und dann gibt es noch eine nicht zu unterschätzende Zahl an Leuten, die die Webadresse meines Blogs (http://heidiswelt.blogspot.com) bei Google in die Suchmaske eintippen. Das begreife ich nicht. Könnt ihr mir das mal erklären, Leute?

Deutsche Grüße

Vor dem Gebäude, in dem sich meine Kantine befindet, steht ein Wachmann. Immer wenn ich mittags an ihm vorbeigehe, sagt er laut: "Mahlzeit!"

Am Anfang dachte ich mir: "So schlecht steht es also um Deutschland. Jetzt betteln schon die fest angestellten Wachmänner um eine warme Mahlzeit."

Später fand ich heraus, dass es sich bei "Mahlzeit" um einen Gruß handelt.

Dieser Gruß wird nur um die Mittagszeit verwendet. Wahrscheinlich bedeutet er so etwas wie "eine gesegnete Mahlzeit" oder schweizerisch "en Guete". Aber ich kann mir nicht helfen, so verkürzt und herausgebellt klingt er für mich immer noch eher nach einem Befehl als nach einem Wunsch.

Zum Abschied sagen manche Leute: "Bis die Tage!" Am Anfang dachte ich, da würde noch etwas nachfolgen. Im Sinne von: "Bis die Tage... wieder früher zur Neige gehen, will ich deine Geliebte sein." Aber nein: "Bis die Tage" heißt einfach nur "bis bald". Es ist grammatikalisch nicht ganz korrekt, aber wenn man es ein paar Mal angewendet hat, klingt es plötzlich ganz cool.

Im Gegensatz übrigens zu "Mahlzeit".

Man sollte übrigens in Norddeutschland nie "Grüß Gott" sagen, sondern immer nur "Guten Tag" oder "Hallo". Wer "Grüß Gott" sagt, ist Bayer. Umgekehrt sollte man in München nie "Guten Tag" sagen. Wer "Guten Tag" sagt, ist Preiß.

Irritierend fand ich zu Beginn auch, dass hier viele Mails beginnen mit "Hallo Herr Geissenpeter". Hallo und Herr, das klang für mich irgendwie unpassend. "Hallo" ist in der Schweiz eher bei Leuten gebräuchlich, die man duzt.

Noch verwirrender fand ich, dass alle Leute sich hier mit "Tschüss!" voneinander verabschieden. "Tschüss" sagt man in der Schweiz ebenfalls nur zu Leuten, die man duzt. Mittlerweile geht es mir so, dass ich versehentlich dauernd "tschüss" zu wildfremden Leuten sage, wenn ich mal wieder in der Schweiz anrufe. Das führt zu peinlichen Situationen.

In diesem Sinne:
Tschüss und Adé!

Mittwoch, Dezember 21, 2005

Deutsche Wortkunde (I)

Wenn Deutsche etwas gut finden, sagen sie nicht "gut", sondern sie sagen, dass sie es "groß" finden. Alternativ dazu auch "ganz groß". Die Steigerungsform schließlich ist ein genüsslich zerdehntes "ganz großes Kino!"

Finden sie etwas nicht gut, sagen sie hingegen nicht "klein". Der richtige Ausdruck lautet: "Das geht gar nicht!" Mit Betonung auf dem "gar". Das bedeutet ungefähr: "Das ist so unmöglich, darüber gibt es keine Diskussion."

Ein weiteres Wort, das mir in seiner Derbheit sehr gefällt: "Bratze".

Eine Bratze ist eine Frau, die "gar nicht geht". Und die auf jeden Fall "schäbbig" ist. Und zwar weil sie nicht nur grässlich aussieht und angezogen ist, sondern auch völlig charmefrei und womöglich gar bösartig ist. Aber das Wort ist ja so lautmalerisch, dass es sich geradezu von selber erklärt. "Bratze" kann sogar noch gesteigert werden: zur "Schabracke".

In Gegenwart einer Schabracke kann man auf jeden Fall leicht "bräsig" werden - also schlecht gelaunt.

Bräsig machen kann man Leute auch, in dem man Sachen mit Eiern anstellt: "rumeiern" ist schlecht, aber jemanden "verkackeiern", also zu verarschen, ist noch viel schlechter.

Auch nicht ratsam ist es übrigens, mit einem Anliegen "wie Kai aus der Kiste" zu kommen. Damit kann man Leute verschrecken oder verärgern.

Und niemals sollte man als Schweizer etwas "Handgelenk mal Pi" schätzen, wenn man keine Lachsalven ernten will. Denn in Deutschland hegt man Verachtung für das Handgelenk und hält stattdessen den Daumen hoch. Schätzungen sind also nur "Pi mal Daumen" abzugeben.

Advent, Advent (IV)


Hamburg, Landungsbrücken